AlphaCon 6

Autor: Achim Ullmann
(achim [bei] pgrev [Punkt de)

Ein Bericht des Freiherrn Lorenz Burkharder für seine Spektabilität Zendijin von Rosenhain. Verfasst im Jahre 6 nach Ende der Sühne Gorasias, welches gleichsam ist das Jahr 6 nach der Krönung Viviane von Eichenhains.


Eure hoch geschätzte Spektabilität Zendijin von Rosenhain,
ich verfasse diesen Bericht über die Ereignisse welche sich am 8. und 9. September diesen Jahres in der Umgebung der galladoornischen Wegestation Firngrund ereigneten auf die Bitte von Kara Brandtweiler, Adepta minora der königlichen Gilde Galladoorns.

Anfang April diesen Jahres erreichte meinen Vater den Freiherrn Franziskus Burkharder zu Mondweiher - einer Provinz des nordgorasischen Kurfürstentums Casturia - ein Bote der Ordenspriester des Götterdrachen Tian Long.
Die Nachricht die er meinem Vater überbrachte war eine Schlechte: Während der Bannzeremonie eines niederen dämonischen Geschöpfes von geringer Macht gelang es dieser Wesenheit eine Unachtsamkeit des Priesters der die Zeremonie durchführte zu nutzen. Es löste sich aus der beginnenden Fesselung an das dafür vorgesehene Artefakt, tötete den Priester und floh aus dem Tempel indem er den Körper eines der anwesenden Novizen in Besitz nahm.
Der Bote des Ordens Tian Longs bat um Unterstützung für eine Gruppe Dämonenjäger die bereits auf die Anweisung zum Aufbruch wartete.
Man habe zwei Priester für die Aufgabe vorgesehen, jedoch konnte nur ein Ordenskrieger zum Schutz vor weltlichen Übergriffen auf die Jäger des Dämons bereitgestellt werden. Da die Zeit drängte entschloss sich der Tempelvorsteher um Unterstützung beim regierenden Freiherrn zu ersuchen.
Kurz entschlossen übertrug mein Vater mir diese Aufgabe und wies mich an mir aus den Reihen seiner Wache fünf Streiter zu bestimmen die mich begleiten sollten.
Meine Wahl viel auf vier Kämpen die unter meiner Führung bereits an der Westgrenze Casturias zu den Landen der barbarischen Stämme Cammorreas große Taten vollbracht hatten.
Linna Thilia Gilgalad, eine zugewanderte Elbin, die den Vergleich mit vielen weitaus erfahreneren Spurenlesern nicht zu scheuen braucht. Die einfachen Soldaten Laren, Lothar Liebgut und Lousio Delvardo, deren mutige Taten den immer bedrängten Bewohnern der Grenzgebiete noch lange in Erinnerung bleiben werden.
Als letztes Mitglied der Gruppe wählte ich meinen eigenen Bruder Eric.
So begaben wir uns auf die Suche nach Yayuyasha. Geleitet wurden wir von einem Artefakt, das uns die Richtung in der er sich befand weisen sollte. Wir waren fähig ihn mehrere Male zu stellen, jedoch war das Schicksal immer wieder auf seiner Seite und er entkam jeder unserer Fallen. Bei einer dieser Begegnungen hatten wir das Glück Arendal Bennain - einem in der Kunst der Magie kundigen Menschen - zu begegnen, der uns bei unserer göttergefälligen Aufgabe tatkräftig unterstützen wollte.
Obgleich in meiner Heimat Magier - aufgrund von unsagbarem Machtmissbrauch vieler Vertreter der magischen Zunft - bei der Landbevölkerung nur ungern gesehen sind, war dieser sympathische Magus uns eine willkommene Hilfe bei unserer Jagd nach Yajuyasha.
Leider wurde Xiang Dian, einer der Priester die wir begleiten sollten durch einen Unfall schwer verletzt und konnte uns fortan nicht weiter unterstützen. So kam es, dass wir das Reich Galladoorn mit zehn Personen anstelle der ursprünglichen neun erreichten, von denen jedoch einer das zelt nicht verlassen konnte.
Dass der Begriff Dämon in Galladoorn gänzlich anderen Gebrauch findet als in Gorasia wurde uns sehr schnell deutlich! Bei jeder Gelegenheit da wir Einheimischen von dem Wesen welches wir verfolgten erzählten und es Dämon nannten wurden wir als Aufschneider verlacht, denn dieses schwache arkane Wesen habe den Namen Dämon bei weitem nicht verdient.
Doch nun genug Aufmerksamkeit der Vorgeschichte. Nun möchte ich auf die Ereignisse zu sprechen kommen, die zur Beseitigung dieses widerwärtigen Geschöpfes führten.

Am Abend des 08. September im Jahre 6 erreichte unsere Gruppe auf der Fährte des Yajuyasha die Wegstation Firngrund. Geleitet wurden wir durch ein Artefakt das bereits die Dämonenjäger des Tian Long geführt hatte. Dieses Artefakt war geeicht auf die Essenz des Flüchtlings und zeigte uns immer die Richtung in der er zu finden war.

Noch auf dem Weg nach Firngrund trafen wir auf eine Gruppe Reisende deren Tagesziel das ebenfalls die besagte Wegstation war und schlossen uns dieser Gruppe an. Die Reise durch den Wald verlief zwar ohne nennenswerte Zwischenfälle, jedoch meinten viele aus der Gruppe - darunter auch ich selbst - jenseits des Pfades den wir beschritten, zwischen den Bäumen, dann und wann dunkle Gestalten herumschleichen zu sehen. Die schattenhaften Gestalten verfolgten uns lange Zeit ohne sich jedoch offen zu zeigen, bis wir dann nach langer Wanderschaft eine Lichtung erreichten auf der sich ein seltsames Trio zum Tee mit Gebäck niedergelassen hatte. Wie sich später herausstellte, handelte es sich bei den kleinen Gestalten mit den kindischen Gemütern um Kobolde wie sie in Galladoorn nicht unüblich zu sein scheinen. Diese Kobolde spielten sich in einer Weise auf, dass es mir beinahe die Sprache verschlug. Sie bezeichneten sich selbst als die Könige dieses Waldes und verlangten einen Passierschein ohne den sie uns die Weiterreise verwehren müssten. Nur das offenkundige Interesse unserer neuen Reisegefährten hielt mich davon ab der gorasischen Gruppe die Order zum Weiterziehen zu geben. Denn ich war nicht gewillt den Schutz der größeren Gruppe für die Chance auf eine etwas früher begonnene Nachtruhe aufgeben. Unsere neuen Reisegefährten wollten den kleinen Wesen offenbar gefällig sein, denn sie ließen sich auf einen Tauschhandel mit ihnen ein - glücklicherweise, wie sich im Laufe der Ereignisse zeigen sollte. Glitzernde Gegenstände tauschten ihren Besitzer und ein Passierschein wurde uns Überreicht. Dieser stellte sich als ein altes und verschmutztes Manuskript heraus welches in einer uns unbekannten Sprache verfasst war.
Da wir nun also die offizielle Genehmigung des "Königs der Wälder" hatten, konnten wir "mit reinem Gewissen" weiterziehen. Nach nur noch kurzer Wanderung erreichten wir Firngrund, wo ich Laren und Lothar schickte um uns beim Verwalter Wilhelm anzumelden und ein Lager für die Nacht zu erbeten. Wie wir es auf unserer Reise durch Galladoorn gewohnt waren, wurden wir auch hier freundlich aufgenommen und bekamen ein Lager zugewiesen.
Während meine Gruppe unter der Aufsicht meines Bruders Erik das Lager aufbaute, begab ich mich in Begleitung des Ordenskriegers Hiroki Tsubasa zu Wilhelm um ihn von unserer Mission in Kenntnis zu setzen und über die Fähigkeiten Yajuyashas aufzuklären. Wir verblieben damit die hier ebenfalls lagernden und wehrhaften Reisenden am folgenden Morgen ebenfalls über unsere Mission aufzuklären um von ihnen vielleicht Hilfe zu erhalten.
Kaum dass unser Gespräch ein Ende fand, stand eine Gruppe der grünhäutigen Wesen die sich Orks nennen im Eingang des Lagers und verlangte eine Unterredung. Der Anführer der kleinen Gruppe - ein Champion namens Gorgatz - erklärte sich und seine Absichten: Er wolle einen orkischen Schamanen der sich Fetzenfresse nannte - und den alten Pakt Galladoorns zwischen Menschen und Orks zu brechen beabsichtigte - beseitigen. Anschließend wollte er - natürlich ausschließlich zum Wohle der Gemeinschaft mit den Menschen - die Führung Fetzenfresses fehlgeleitetem Stamm übernehmen. Es wurde mit dem Ork verabredet, dass er sich am folgenden Tage wieder an gleicher Stelle einzufinden habe um die gewünschte Unterstützung zu erhalten.

Nun beschlossen wir uns nach unserer langen Reise zur Ruhe zu legen, um am nächsten Morgen ausgeruht allen wehrhaften Reisenden unsere Mission offen zu legen.
Hierzu sollte es jedoch leider nicht kommen, denn noch in dieser Nacht sandte Yajuyasha allen hier lagernden eine Vision. Diese Vision war von einer Fassbarkeit, dass kein Anwesender - gleich ob Krieger, Heiler, Kleriker oder Magus - sie von der Realität zu unterscheiden vermochte. In Begleitung zweier Wesenheiten die aussahen wie die Geisterwesen die man Schatten nennt, verhöhnte er uns und verlangte nach dem Wegweiser der uns zu ihm geführt hatte. Tatsächlich gelang es ihm meinen Willen zu brechen indem er begann wahllos die Anwesenden zu foltern und zu töten, so holte ich den Wegweiser aus meinem Zelt und übergab ihn dieser widerlichen Kreatur. Doch damit wollte er sich nicht zufrieden geben, verlangte es ihn doch noch nach einem Artefakt welches in der Umgebung versteckt sei und wir ihm besorgen sollten. Er kündigte an in 24 Stunden wieder zu erscheinen um entweder das Artefakt oder unser aller Leben zu holen.
Aus der Vision erwacht durften wir uns glücklich schätzen festzustellen, dass Yajuyashas vermeintliches Erscheinen nun doch keine Opfer gefordert hatte, da es sich nur um eine Vision handelte. Unser Wegweiser jedoch war tatsächlich verschwunden.

Die Erklärungen die ich nun zu geben hatte erspare ich Euch, doch seid versichert: In Wilhelm, dem Verwalter Firngrunds hatte Galladoorn einen rechtschaffenden, und um das Wohl seiner Schutzbefohlenen bemühten Mann!
Doch auch die anwesenden Reisenden waren sehr interessiert daran Yajuyasha das Handwerk zu legen.
In dieser Nacht wurden viele Theorien aufgestellt und wieder verworfen. Letztendlich meinten wir aber erkannt zu haben, dass die unsagbare Steigerung von Yajuyashas Kräften wohl in Zusammenhang stehen müsse mit den Ereignissen die im April diesen Jahres in der der Nähe Firngrunds stattgefunden hatten. Gemeint ist hier die Schlacht gegen den Orden der Schatten.
Einige der Gelehrten begannen noch in dieser Nacht damit das von den Kobolden erhaltene Manuskript zu übersetzen. Und - der Großen Tian Long halte seine behütenden Schwingen über die drei segensreichen Kobolde - es sollte uns tatsächlich den Weg zu den acht Teilen des gewünschten Artefakts weisen.

Am nächsten morgen stellte sich heraus, dass dieses Schriftstück ein Tagebuch war. Von drei Schwestern geschrieben und erzählend von ihrem Retter in düstrer Stunde, namentlich Angadoor. Auch die Namen der rechtmäßigen Eigentümer des Tagebuchs offenbarte dessen Inhalt: Sybilla, Lilian und Tamara mit Namen.
Unsere Gemüter erhitzten sich sehr stark, als wir von den Gelehrten erfahren mussten, dass dieses Schriftstück vor knapp 600 Jahren verfasst wurde und die Verfasser allem Anschein nach jedoch noch unter den Lebenden weilten. So sei Sybilla die verwirrte Alte die in einer Hütte in der Mitte des Lagerplatzes hauste, die zweite der Schwestern Lilian sei ein "männerfressendes Ungeheuer" im Wald und die dritte mit Namen Tamara werde immer dann gerufen wenn ihre tadellosen Fähigkeiten als Hebamme von Nutzen seien.
An dieser Stelle möchte ich zur Entlastung Lilians erwähnen, dass es für sie tatsächlich Sinn ergab ihre "Opfer" nur unter den Vertretern des männlichen Geschlechtes zu suchen, gehört sie selbst doch dem weiblichen an. Ebenfalls zur Aufklärung beitragen dürfte die Tatsache, dass keines der zurückgekehrten Opfer über die besonders delikate und sicherlich höchst stimulierende Art und Weise auf die sie "gefressen" wurden auch nur ein einziges Wort der Beschwerde verlor - und sie kehrten alle zurück!

Das Tagebuch offenbarte jedoch noch mehr, so erfuhren wir davon, dass die Artefakte nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, an einem bestimmten Ort durch ein besonderes Ritual zusammen zu führen seien, da ansonsten großes Unheil geschehen würde. Worin dieses Unheil bestehen würde ist mir nicht bekannt, jedoch erschien es mir auch nicht wichtig, da sich ohnehin alle Anwesenden sehr stark auf die Aufgabe konzentrierten und keine weitere Ermunterung von Nöten war.
Glücklicherweise gelang es uns im Laufe des Tages alle Fragmente des Artefaktes aufzufinden und - trotz einiger Widrigkeiten mit ihrem verderbenden Einfluss auf unseren Reisegefährten Bennain - sicherzustellen. Die Fragmente verwirrten den Geist Bennains und sorgten dafür, dass er unter einem ständigen und intensiven Gefühl der Verfolgung litt. Aber sie förderten auch Hass auf alles und jeden. Es wurde schlimmer je mehr Fragmente er an sich brachte und gipfelte in einer tätlichen Auseinandersetzung in dessen Verlauf er bewusstlos geschlagen werden musste um ihn selbst und alle Anwesenden zu schützen.

Sollten die näheren Umstände der Auffindung aller Artefaktbruchstücke Euer geschätztes Interesse gefunden haben, so würde es mich erfreuen persönlich vorstellig werden zu können um Euch die Begebenheiten so genau es mir möglich ist zu erläutern. Ich bin guter Dinge, dass ein berittener Bote - gesandt da Ihr diesen Brief durch Kara Brandtweiler erhaltet - meine kleine Gruppe noch rechtzeitig vor unserem Aufbruch nach Agoran und unserer anschließenden Heimkehr nach Casturia erreichen wird. Wir würden unsere weiteren Pläne selbstverständlich Eurem Wunsch nach einem persönlichen Gespräch anpassen.
Doch nun möchte ich von dem Zeitpunkt berichten, da die Vorbereitungen für das Ritual abgeschlossen waren.
Salvatus Aspenfeld, der wohl machtvollste Magus unter den Anwesenden bot sich an das zur Zusammenführung der Artefaktfragmente benötigte Ritual durchzuführen und Yajuyashas Macht dadurch so zu schwächen, dass er - wenn nicht vernichtet - so doch zumindest wieder verwundbar werde.
Die anwesenden Magier errichteten einen nach außen gerichteten Schutzkreis der die zu erwartenden Angriffe Yajuyashas und seiner Diener abhalten sollte. Die Kleriker - von denen jeder bereits eine Waffe mit dem Segen seiner Gottheit versehen hatte - erschufen einen nach innen gerichteten Bannkreis um dafür Sorge zu tragen, dass nichts ungewollt hinaus gelänge.
Leider mussten wir feststellen, dass das Vertrauen, welches wir in Aspenfeld setzten völlig ungerechtfertigt war. Kaum, dass die schützenden Kreise um ihn und seine beiden Schüler geschlossen waren, eröffnete er uns unter selbstgefälligem Gelächter, dass er uns alle nur benutzt habe um an dieses mächtige Artefakt zu gelangen welches ein Tor in eine andere Welt öffnen würde. In diese Welt wolle er sich zurückziehen, zu einem mir leider verschlossen gebliebenen Zweck. Sicher jedoch kann man davon ausgehen, dass ihm der Sinn nicht nach rechtschaffenden Taten stand!
Sofort nach dieser Eröffnung begann er damit die Teile des Artefaktes zusammen zu führen und das hierfür notwendige Ritual zu vollziehen. Und kaum dass er damit begonnen hatte, erschien die Manifestation Yajuyashas.

Er verlangte das Ritual sofort zu beenden, andernfalls wolle er uns mit unserem Leben dafür zahlen lassen. Mit seinen neu gewonnenen Kräften hielt er uns auf Abstand und forderte Hiroki Tsubasa zu einem Duell. Offenbar war es dieser abscheulichen Kreatur entgangen, dass nicht nur mein Bruder und ich, sondern auch einer der anwesenden Söldner und nicht zuletzt Hiroki eine der am Nachmittag erst geweihten Waffen trugen. Leider streckte Yajuyasha Hiroki mit zwei überraschenden Hieben nieder.
Seiner Aufforderung nach einem weiteren - diesmal freiwilligen - Duellanten kam ich nur zu gerne nach. Wenn ich mein Gedächtnis nach dem kurzen Austausch von Beleidigungen befrage die nun, da ich in den Kreis vor Yajuyasha trat, zwischen ihm und mir stattfanden, lässt es mich im Stich. Jedoch war sich der Dämon seines Sieges mehr als nur sicher. Angesichts dessen bin ich - nun, da alles vorüber ist - sehr verwundert über die relative Leichtigkeit mit der ich gegen dieses Wesen bestand. Vielleicht waren es die lauten Fürbitten um den Schutz Tian Longs die meine Gefährten anstimmten um mich zu stützen, vielleicht erhörte er ihr Flehen und beseelte meinen Schwertarm mit seiner Kraft und seinem Geschick, vielleicht aber auch war die Widernatürliche Kreatur vor mir sich ihrer Überlegenheit einfach zu sicher und verschluckte sich an ihrer Überheblichkeit, ich kann es nicht sagen.
Wie dem auch sei, nach kurzem aber intensivem Zweikampf war er nicht länger Willens sich der gesegneten Klinge auszusetzen und rief um Hilfe. Der nun kommende, unerwartete Schlag in meinen Rücken, den meine Rüstung glücklicherweise auffing, machte mir gewahr, dass der Ruf des Widerlichen um Unterstützung tatsächlich Gehör gefunden hatte: Eine Horde von Untoten erhob sich und wankte auf den Platz des Kampfes. Yajuyasha selbst verlor ich im entstandenen Getümmel aus den Augen. Viel weiß ich nicht mehr von dem nun aufflammenden Kampf zwischen Lebenden und Untoten. Mein erhobener Schwertarm senkte sich nieder auf moderndes Fleisch und gammelnde Knochen, wieder und immer wieder. Die vom Segen schimmernde Klinge meines Schwertes hielt grausame Ernte unter den vom Willen Yajuyashas beseelten Toten. Wie lange der Kampf andauerte vermag ich nicht zu sagen, doch nach geraumer Zeit verspürte ich einen seltsamen Sog.

Mein Blick schweifte wie unter Zwang über die Menge der Kämpfenden, wie ein Zeichen Tian Longs öffnete sich eine Schneise im Getümmel und meine Augen erblickten… Yajuyasha. Der Abstoßende kniete schwach und von zahllosen Treffern gezeichnet inmitten des Kampfes ohne Beachtung zu finden. Wie von einer höheren Macht geleitet führten mich meine Schritte zu dem Knienden. Obgleich er mir den Rücken zukehrte konnte ich spüren, dass er eine Anwesenheit bemerkt hatte.
Mein Arm wurde gelenkt vom gerechten Zorn Tian Longs, meine Lippen sprachen seinen Willen und meine Klinge vollstreckte sein Urteil. Der leblose Körper Yajuyashas stürzte vor mir zu Boden und ich sank neben ihm auf meine Knie. Im selben Augenblick fielen seine untoten Diener in sich zusammen wo sie gerade standen und regten sich nicht mehr, nun hatten auch sie endlich ihren Frieden gefunden.

Als ich sah, wie der Kampf von einem Moment zum anderen beendet und die Gefahr durch die Dienerschaft des Dämons abgewendet war, breitete sich eine bleierne Müdigkeit in mir aus. Doch noch war nicht alles vorüber, Yajuyashas Manifestation war zwar vernichtet, aber sein dämonisches Selbst würde nicht lange an diese tote Hülle gefesselt sein. Es galt nun für unsere Priesterin Lee Xiang Yi die Bannzeremonie rechtzeitig zu vollziehen. Erst als auch diese letzte Aufgabe vollendet war fiel die Anspannung von mir und ich bemerkte ein Veränderung im Bannkreis in dem der Magus Aspenfeld das Ritual mit dem Artefakt vollzogen hatte. Der Magier war nicht mehr zu sehen, doch an Stelle seiner wurde ich neben den zusammengesunkenen Gestalten der Schüler des Verräters einer anderen Person gewahr. Wie ich später von Kara Brandtweiler erfuhr, handelte es sich hierbei um eine wichtige und hochgestellte Persönlichkeit der Magiergilde Galladoorns, namentlich um Flaminio di Silvo.
Den Rest der Nacht verbrachten meine Gefährten damit die Verwundeten zu versorgen und unseren Sieg zu feiern. Ich selbst habe diesen Bericht an Euch für Kara Brandweiler verfasst um ihn ihr bei ihrem Aufbruch am folgenden Morgen noch mitgeben zu können.

So schließe ich nun meine Ausführungen und hoffe Euch damit alle Informationen die für Euch von Interesse sind zukommen haben lassen.

Möge Tian Long seine schützenden Schwingen über Euch ausbreiten.


Lorenz Burkharder, Freiherr in Casturia und Kommandant der persönlichen Wache des regierenden Freiherrn Franziskus Burkharder zu Mondweiher

Outtime Bemerkungen:

Dem casturischen Adelssystem liegt das des HRR zugrunde. Daraus ergibt sich: "Freiherr" = schriftliche Form von "Baron" und niedrigster titulierter Adelsrang. Daher ist der in Schriftstücken über eine Baronie herrschende Freiherr ein und dieselbe Person wie deren Baron.
Details hier

Autor: Achim Ullmann

 

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